Ein Fall für den Griechen Privatdetektiv Themistokles Kostenas Privatdetektiv Themistokles Kostenas Privatdetektiv Themistokles Kostenas Privatdetektiv Themistokles Kostenas

«Ein Fall für den Griechen» unterwegs mit dem Privatdetektiv Themistokles Kostenas

Viele kennen die haarsträubenden Fälle von Philip Marlow, verfolgen Magnum, Matula und Co. oder bewundern die kleinen grauen Zellen des Hercule Poirot. Doch wer weiß schon, wie der Alltag eines Privatdetektivs wirklich aussieht?

Reporter Martin Schilt hat den Zürcher Privatdetektiv Themistokles Kostenas (35) mit der Kamera mehrere Monate begleitet. Kostenas, seit 11 Jahren im Geschäft, wird wegen seiner Herkunft in der Branche nur "der Grieche" genannt. Die zweiteilige Reportage "Ein Fall für den Griechen" gibt Einblick in die verborgene Welt der privaten Schnüffler. Jeder Fall ist authentisch, jeder Täter auf frischer Tat ertappt.

Freitag Nachmittag, das ist im Büro Kostenas die Zeit der Beziehungsfälle: Hat der Manager heute Abend tatsächlich einen geschäftlichen Termin? Seine Frau will es genau wissen. In der Regel würden Frauen schon beim leisesten Verdacht einen Privatdetektiven engagieren, sagt Kostenas: "Oft genügt schon, dass sich der Ehemann die Fingernägel putzt. Bei den Männern dagegen stehen meistens schon die Zügelmänner vor der Tür, wenn sie von einer Affäre Wind bekommen." Im Fall des Managers bestätigen sich allerdings die Vermutungen der Ehefrau: Ihr Mann quält sich nicht durch den angekündigten Budget-Marathon, sondern flaniert frisch verliebt durch's Niederdorf. "Zielperson trifft Kontaktperson" wird es später im Bericht heissen. Belegt mit einem kleinen Liebesfilm. In rund einem Drittel aller Fälle beschattet Kostenas und seine Mitarbeiter Ehebrecher, Fremdgängerinnen und Heiratsschwindler.

Eigentlich gehe es in seinem Geschäft immer um den Tatbestand der Untreue sagt Kostenas. Untreue in der Partnerschaft oder Untreue im Geschäft. Anlagebetrug, Industriespionage, Veruntreuung - im Büro Kostenas betreffen mehr als die Hälfte aller Aufträge Wirtschaftsdelikte. Tendenz steigend. Der Staat habe die Strafverfolgung in diesem Bereich so zu sagen privatisiert, sagt Kostenas. Der Grieche observiert zum Beispiel Mitarbeiter, die im Verdacht stehen, Geld zu unterschlagen oder Betriebsgeheimnisse der Konkurrenz verkaufen wollen. Um unbemerkt arbeiten zu können, nutzt der Grieche modernste Technik wie satellitengesteuerte Ortungsgeräte, versteckte Kameras und Nachtsichtgeräte. Und wenn nötig, beschafft er sich eine perfekte Tarnung: So zum Beispiel im Fall einer Firma aus der Lebensmittelbranche: Im Kühllager soll Kostenas überwachungskameras installieren, weil Angestellte immer wieder Esswaren mitlaufen lassen. Damit niemand Verdacht schöpft tritt Kostenas als Kammerjäger verkleidet im Betrieb auf.

Seit ein paar Wochen bearbeitet Kostenas ein neues Geschäftsfeld: Im Auftrag der Behörden beschattet er Sozialhilfeempfänger, die im Verdacht stehen Vermögenswerte zu verschweigen oder Einkünfte aus Schwarzarbeit erzielen. Die Resultate der Ermittlungen übertreffen oft das Klischee holzschnittartiger Werbekampagnen rechtsbürgerlicher Parteien: Angeblich mittellose Sozialhilfeempfänger, führen heimlich einen florierenden Autohandel und beziehen von allen möglichen Seiten Unterstützungsbeiträge. Mit den nicht deklarierten Einkünften leisten sie sich ein Dienstmädchen und ein Auto der oberen Mittelklasse. Und weil auch Schwarzarbeit mit der Zeit an die Substanz geht, lassen sich die Sozialhilfeempfänger über's Wochenende im Wellnes Tempel verwöhnen.

Team

  • Buch, Regie: Martin Schilt
  • weitere Angaben folgen...
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